Die Gesichter der Depression
Hypno-systemische Strategien für den Umgang mit einem schwer zu fassenden Krankheitsbild
Zeit: Samstag 22.09. 2012 von 09:30 bis 17:00 Uhr
Sonntag 23.09. 2012 von 10:00 bis 17:30 Uhr
Ort: Schwulenberatung, Mommsenstr.45, 10629 Berlin (Charlottenburg)
Durchführung: Dr. med. Mathias Ulbricht,
FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie; Psychoanalyse - Systemische Therapie - Hypnotherapie
Inhalt
Die Depression ist eine der am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen -Tendenz steigend. Der Blick auf das Krankheitsbild kann verwirrend sein: Die psychodynamischen Verfahren rücken die biographische Genese in den Mittelpunkt, die Verhaltenstherapie die „kognitiven Verzerrungen“. Die Psychiatrie neigt zu einer rein deskriptiven Perspektive, was dazu führt, dass DSM und ICD lediglich Symptome gemäß ihrer Schwere, Anzahl und zeitlichen Dauer gewichten. Die frühere Unterscheidung zwischen „endogen“ und „reaktiv“ wurde aufgegeben.
Dieses medizinisch-wissenschaftliche Modell wird jedoch weder den PatientInnen noch den Erfordernissen der therapeutischen Realität gerecht. Menschen wollen und brauchen einen verstehenden Zugang zu ihrem Leiden. Sie zählen keine Symptome, sondern erzählen, was sie quält und bedrückt: seien es die „Zeichen“ der Erkrankung, seien es Lebensumstände, aus denen es aus ihrer Sicht kein Entkommen gibt.
Damit sind wir schon bei einem der Grundmuster der Depression. Aus der Patientinnenperspektive könnte es so lauten: „Ich bin in einem Labyrinth quälender Gefühle, aus dem ich allein nicht mehr herauskomme. Ich wusste einmal, wo mein Ziel war und was ich wollte. Jetzt kann ich es mir kaum noch vorstellen. Ich sehe für mich keinen Ausweg mehr und brauche Hilfe, auch wenn ich manchmal zweifle, ob mir überhaupt noch zu helfen ist.“
Obwohl die Patienten Hoffnung und Ermutigung dringend brauchen, ist ihr Denken und Fühlen so verändert, dass therapeutisches Engagement und Optimismus oft nicht zu ihnen durchdringen. Es besteht sogar die Gefahr, dass der Helfer in das Universum des Patienten hineingezogen wird und entweder resignativ in eine (abgeschwächte) Co-Depression geht oder sich (subtil) aggressiv befreit.
Zentrales Muster ist für mich das Dilemma, aus dem sich die Patientin oder der Patient alleine nicht mehr befreien kann. Das kann die Charakterstruktur sein, mit dem sie oder er immer wieder Schiffbruch erleidet, chronische Überforderung, Verluste, Kränkungen, die nicht kompensierbar erscheinen u.a.m.
Die Aufgabe des Therapeuten besteht nun darin, dieses Dilemma sehr genau zu erfassen und auch zu benennen, um dann gemeinsam mit dem Patienten einen Weg nach draußen zu versuchen. Wichtiger als jede „Technik“ ist also die Haltung. Ausgehend von der Prämisse, dass jede Intervention nur dann erfolgreich sein kann, wenn eine gute Therapeutische Beziehung besteht, wird dargestellt, welchen spezifischen Gefährdungen diese ausgesetzt ist und wie die unvermeidlichen „Brüche“ immer wieder bewältigt werden können. Weiter soll der Blick dafür geschärft werden, welche Interventionen in welcher Phase der Therapie sinnvoll und hilfreich sind. Daneben werden typische Interventionen aus der hypnotherapeutischen und systemischen Praxis vermittelt (Arbeit mit Metaphern, Stellvertretertechnik u.a.m.), eingeübt und Hinweise auf andere depressionsspezifische Verfahren gegeben.
Das Seminar wird auf praxisrelevante Aspekte eingehen, die im Verlauf einer Depressionstherapie auftauchen können:
- Stimmungsschwankungen oder Depression?
- Verhältnis von Empathie und Initiative im Prozessverlauf („Pacing-Leading“)
- Depressionen, die sich vorwiegend körperlich äußern („Larvierte D.“)
- Die Kooperation zwischen Psychotherapeut und Psychiater
- Psychopharmaka und Psychotherapie
- Umgang mit suizidalen Patienten.
- Wann sollte ich eine Patientin einweisen?
- Nützliche Hinweise auf Hilfseinrichtungen und Netzwerke
- Einbeziehung von Angehörigen und Freunden
Das Seminar ist anwendungsorientiert. Knapp gehaltene Theorieeinschübe sind jedoch vorgesehen. Auch eigene Fälle können nach Absprache mit den anderen Teilnehmerinnen vorgestellt werden. Ein Seminarskript incl. kommentierter Literaturliste wird nach der Veranstaltung zur Verfügung gestellt.
Das Seminar ist geeignet für therapeutisch tätige Psychologinnen und Ärzte sowie Vertreter anderer Heilberufe mit nachgewiesener Heilberechtigung oder staatlich anerkannten Abschlüssen, wenn die Behandlung oder Beratung depressiver Menschen zu ihrem Tätigkeitsfeld gehört.
Eine Ausbildung in systemischer Therapie oder Hypnotherapie ist nicht notwendig, um an dem Seminar teilnehmen zu können. Die gezeigten Verfahren können mit und ohne Tranceinduktion praktiziert werden. Allerdings kann das Seminar als C-Seminar für das Curriculum „Klinische Hypnose“ anerkannt werden, wenn die TeilnehmerInnen die Voraussetzungen nach den Richtlinien der M.E.G. erfüllen. In Zweifelsfällen empfehlen wird vorherige Rücksprache mit dem Veranstalter.
Das Seminar wird mit voraussichtlich 20 Fortbildungspunkten zertifiziert (Ärztekammer Berlin)
Zur Person
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